Schifffahrt auf dem Lago Maggiore: Die FART als sicherer Hafen – volle Fahrt voraus!

Die Schifffahrt im Schweizer Teil des Lago Maggiore muss einen neuen Kurs in Richtung der Società per le Ferrovie Autolinee Regionali Ticinesi (FART) einschlagen, ehe sie durch die Sturheit der Società Navigazione del Lago di Lugano (SNL) auf Grund gesetzt wird. Das fordern die betroffenen Mitarbeitenden in ihrer am 29. September in Locarno verabschiedeten Resolution – trotz des Drucks, den ihre Arbeitgeberin SNL am Vortag gegen sie aufgesetzt hat.
Die Resolution für die Übertragung der operativen Leitung der Schifffahrt auf dem Langensee an die FART widerspiegelt die Stimmung einer ganzen Region: Von der Regionalen Gesellschaft zur Entwicklung des Locarnese bis hin zum Bürgermeisterverband haben sich alle eindeutig dafür geäussert.
Die Präsidentin des Staatsrats, Marina Carobbio Guscetti, und der Beauftragte für Aussenbeziehungen, Francesco Quattrini, erläutern an der Personalversammlung kurz die Vision des Kantons und die bisher unternommenen Schritte. Nach der Verabschiedung der beiden Behördenvertreter:innen eröffnen die Anwesenden die eigentliche Diskussion unter sich.
Schliesslich steht wirklich sehr viel auf dem Spiel. Die Präsenz fast der gesamten SEV-Geschäftsleitung – Präsident Matthias Hartwich, Vizepräsident Pablo Guarino und Finanzverwalter Aroldo Cambi – macht unmissverständlich klar, wie gross die Herausforderung ist und dass die Gewerkschaft voll und ganz und bis zum Schluss hinter dem Personal steht. Personal, das trotz des Drucks und der Unsicherheiten weiterhin stolz mit Professionalität, Leidenschaft und Liebe zur Region arbeitet.
An der Seite von Angelo Stroppini, Gewerkschaftssekretär SEV, stehen die Kollegen von Unia und OCST (Organizzazione cristiano-sociale ticinese), die das Anliegen ebenfalls voll und ganz unterstützen. Man muss es ganz offen sagen: Ein Wechsel der Führung liegt im unmittelbaren Interesse des Schiffspersonals am Lago Maggiore, auch für die berufliche Zukunft. Man wird unweigerlich an das historische Transparent vom Streik im Jahr 2017 erinnert: „Wir verteidigen Arbeitsplätze und Tourismus“. Die Region um Locarno ist eine Tourismusregion par excellence, sie muss daher auf solide Arbeitsplätze und Angebote in diesem Sektor zählen können.
Personal verlangt Garantien
Einerseits hofft das Personal auf frischen Wind in den Segeln, der es in einen sicheren Hafen wie die FART bringt, andererseits ist die Stimmung angespannt wegen der mangelnden Einsicht seitens der SNL, dass angesichts der aktuellen Lage der logischste Weg darin bestände, die operative Leitung der Schifffahrt von der SNL auf die FART zu übertragen. Die Beschäftigten verabschieden eine Resolution, in der sie ihre Arbeitgeberin SNL und deren Verwaltungsrat auffordern, "Verantwortung zu zeigen und konstruktiv auf einen geordneten Übergang der gesamten Schifffahrt auf dem Lago Maggiore und des dort beschäftigten Personals zur FART hinzuarbeiten“.
Angelo Stroppini spricht Klartext: „Hier will sich niemand einen Orden anstecken können. Es geht nicht um ein Kräftemessen mit Verlierern und Gewinnern. Hier geht es darum, einen für die Beschäftigung und den Tourismus strategisch wichtigen Sektor zu retten und die Grundlagen zu schaffen, um Arbeitsplätze mit guten Arbeitsbedingungen zu sichern. Es muss eine neue operative Phase eingeleitet werden. Eine Phase, die weniger konfliktreich und stärker mit der Region verbunden ist. Unter diesem Gesichtspunkt ist die FART – die von der ganzen Region unterstützt wird – die optimale Lösung. Gewinner werden all jene sein, die fähig sind, im ausschliesslichen Interesse des Tessins zusammenzuarbeiten.“
«Der SEV steht an eurer Seite»
Es ist klar, dass politische und betriebliche Entwicklungen für die Belegschaft eine grosse Belastung darstellen können; daher fordern die Beschäftigten die Geschäftsführung der SNL und deren Verwaltungsrat auf, «keinen Druck mehr auf das Personal auszuüben und gleichzeitig die Kontinuität der Arbeit zu gewährleisten, um Lohnausfälle bis zum Wechsel zur FART zu vermeiden».
Doch gerade am Vorabend der Versammlung hat der Druck konkrete Formen angenommen: Fünf Beschäftigte wurden in Mitarbeitergesprächen vor die Wahl gestellt, das Arbeitsverhältnis einvernehmlich zu kündigen oder ihren unbefristeten Arbeitsvertrag in einen befristeten umzuwandeln. Das bedeutet ganz klar eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen. „Damit“, so betont Stroppini, „wälzt die SNL die unternehmerische Verantwortung vollständig auf die Belegschaft ab“.
Angesichts dieser jüngsten Entwicklungen fordern die Beschäftigten die Gewerkschaften SEV, Unia und OCST auf, «Verhandlungen mit dem neuen Arbeitgeber FART aufzunehmen, um für die künftigen Beschäftigten Arbeitsbedingungen auszuhandeln, die mit denen der anderen Schifffahrtsgesellschaften in der Schweiz vergleichbar sind».
Schliesslich appellieren die Beschäftigten an den Kanton, als Vermittler zu fungieren, damit die FART das gesamte SNL-Personal, das auf dem Schweizer Teil des Lago Maggiore beschäftigt ist, übernimmt.
Unter Applaus sichert Matthias Hartwich die volle Unterstützung des SEV und der beiden anderen beteiligten Gewerkschaften zu: „Es ist an der Zeit, dass wir alle zusammenstehen, und wir werden euch in allen Phasen dieser äusserst turbulenten Zeit zur Seite stehen. Ihr könnt auf uns zählen.“
Allgemein herrscht die Meinung, dass die hartnäckige Weigerung der SNL, im öffentlichen Interesse neue Horizonte anzusteuern, jede Entwicklungsmöglichkeit blockiert. Den logischen und wünschenswerten Wandel einzuleiten wäre ein Akt der Verantwortung.
Françoise Gehring
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