Delegiertenversammlung VPT
«Die Gesundheit muss besser geschützt werden!»

Rund 60 Delegierte des SEV-Unterverbands VPT trafen sich am 25. März zur Delegiertenversammlung in der Unia im Berner Egghölzli. Sie forderten mehr Sicherheit am Arbeitsplatz und einen besseren Gesundheitsschutz.
Mit einer Schweigeminute gedenken die Delegierten den Opfern der Brandkatastrophe in Kerzers. DV-Präsident ist Zentralausschuss-Mitglied Aurélien Mouche. In seiner Begrüssung betont er, wie wichtig es ist, in diesen schwierigen Zeiten zusammen zu stehen.
«Ausfälle in Unternehmungen wegen Krankheiten haben gemäss einer Statistik des SGB in den letzten fünf Jahren um fast 20 % zugenommen. Immer mehr Menschen werden auf der Arbeit krank. Der Druck auf das Personal steigt unaufhörlich», hält VPT-Zentralpräsident Gilbert D’Alessandro in seiner Begrüssungsrede fest. «Das Schlimmste ist, viele Kolleginnen und Kollegen arbeiten trotz gesundheitlicher Probleme weiter – aus Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren.» Leider würden viele Unternehmen nur Alibi-Massnahmen ergreifen, um die Situation zu entschärfen, sagt er. Umso wichtiger sei es deshalb, dass der SEV beim Gesundheitsschutz klare Forderungen stellt und eine entsprechende Kampagne für einen besseren Gesundheitsschutz führt. «Gesundheit ist nicht verhandelbar. Niemand sollte wählen müssen zwischen seiner Gesundheit und seinem Arbeitsplatz.»

Kampf für besseren Gesundheitsschutz
Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, haben die Vertreter:innen der Branche Bus im VPT in einem Brief an Gemeinden, Kantonen und den Bund drei Forderungen formuliert. Die Behörden müssen sicherstellen, dass:
- an Endstationen und wichtigen Knotenpunkten den Busfahrer:innen eine angemessene Infrastruktur zur Verfügung steht, insbesondere Toiletten und geeignete Pausenräume.
- der öffentliche Verkehr im Strassenraum konsequent priorisiert wird, insbesondere durch Busspuren und angepasste Lichtsignalanlagen.
- für den Langsamverkehr separate, von den Busspuren getrennte Verkehrsflächen geschaffen werden, um die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmenden zu erhöhen.
Ausserdem wird der VPT an der SEV-Delegiertenversammlung am 11. Juni einen Antrag einreichen, 2027 eine Kampagne für bessere Arbeitsbedingungen zu starten. Der VPT fordert maximal 10-Stunden-Dienstschichten, 5-Tage-Woche mit mindestens 115 freien Tagen, längere Ruhezeiten ohne Reduktion auf 9 Stunden und die Anrechnung der Wegzeiten.

Weiterhin ein Thema sind Aggressionen und gewaltsame Übergriffe auf das Verkehrspersonal. SEV-Vizepräsidentin Barbara Keller erklärt, dass der SEV seine Kampagne für mehr Sicherheit und Respekt auch 2026 fortführen wird: «Wir fordern von den Unternehmen, dass sie die Charta gegen Gewalt, die sie letzten Herbst unterschrieben haben, ernst nehmen und umsetzen.» Am 3. September sind wiederum Aktionen in der ganzen Schweiz geplant. Ausserdem produziert das Kommunikationsteam des SEV Videos, in denen Kolleginnen und Kollegen ihre Erlebnisse erzählen können – auch anonym. Wer ihre oder seine Geschichte über Gewaltvorfälle erzählen möchte, soll eine Mail an schicken.
Genug Geld für die Finanzierung des Service public
Damit Sicherheit und Arbeitsbedingungen im ÖV verbessert werden können, braucht es auch die nötigen finanziellen Mittel. Kürzungen bei den öffentlichen Geldern dürfen nicht passieren. «Die Schweiz hätte eigentlich genug Geld. Das Problem ist oft, dass die Politik nicht genug Geld für den Service public ausgeben will», sagt SEV-Vizepräsident Pablo Guarino. «Es kann nicht sein, dass zum Beispiel der Kanton Bern über 600 Millionen Franken mehr Gewinn macht, als er budgetiert hat, und trotzdem sparen will», doppelt VPT-Vizepräsident René Schnegg nach. «Wir müssen als Gewerkschaft lauter werden. Wir dürfen nicht mehr schweigen zu diesen Missständen.»

Auch SEV-Präsident Matthias Hartwich spricht Klartext: «Manchmal müssen wir in der Politik aktiv sein, und das gilt besonders, weil wir keine Parteipolitik betreiben. Wir dürfen nicht neutral sein, wenn es um den öV geht, denn wir stehen stets an der Seite der Arbeitnehmer:innen. Wir müssen Farbe bekennen, wenn deren Rechte bedroht sind. Das gilt bei nationalen Themen, wie zum Beispiel bei der Chaos-Initiative, der es nicht um Nachhaltigkeit geht, obwohl sie sich so nennt, sondern darum, die Rechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu beschneiden. Deshalb sagen wir Nein. Das gilt ebenso beim Thema Europa, bei dem wir uns mit aller Macht dafür einsetzen, dass auch in Zukunft Schweizer Löhne auf Schweizer Schienen, Strassen und Seen gelten.»
René Koch wird neuer Zentralsekretär
Mit einer stehenden Ovation wird Ueli Müller verabschiedet, der während vieler Jahre für den VPT tätig war und Ende Jahr in Pension geht. Seine Nachfolge tritt René Koch an, der als Zentralsekretär ab 1. Januar 2027 gewählt wurde. Die Delegierten verabschieden die Rechnung des VPT 2025 und danken dem Zentralkassier Roger Maurer für seine Arbeit.

Auch 2026 plant der VPT verschiedene Massnahmen für die Mitgliedergewinnung. Der VPT will die Sektionen bei der Mitgliedergewinnung mit finanziellen Beiträgen motivieren und unterstützen. Er unterstützt neu Sektionen finanziell, wenn in ihrer Unternehmung zu wenig bezahlte Gewerkschaftszeit zur Verfügung steht. Die Jugendaktion für neue Mitglieder unter 30 läuft weiter und ist erfolgreich.

Michael Spahr