| Aktuell / SEV Zeitung, Aggression und Gewalt gegen Personal

Thurbo

Transportpolizei spart auf Kosten der Sicherheit

Die Transportpolizei (TPO) wird zukünftig weniger S-Bahn-Nachtzüge begleiten. Das hat negative Folgen für die Sicherheit der Passagiere und für das Personal. Für die Thurbo AG, die zu 90 % der SBB und zu 10 % dem Kanton Thurgau gehört, und für den SEV ist diese angebliche Sparmassnahme inakzeptabel.

Ende Januar wurde das Thurbo-Personal von der Geschäftsleitung Thurbo darüber informiert, dass die TPO infolge grossen Spardrucks die Begleitung der S-Bahn-Nachtzüge anpassen werde. Die TPO-Einsätze würden nun selektiv und lageorientierter geplant, teilte die Geschäftsleitung Thurbo mit. Das heisst, die S-Bahn-Nachtzüge werden zukünftig nicht mehr flächendeckend durch das Sicherheitspersonal der Transportpolizei begleitet.

Diese Mitteilung kam für die Mitarbeitenden wie auch für den SEV aus heiterem Himmel. So meldeten sich unmittelbar nach dieser Mitteilung zahlreiche enttäuschte SEV-Mitglieder bei der zuständigen Gewerkschaftssekretärin Alexandra Akeret: «Die Reaktionen gingen von Enttäuschung bis zu Wut über diese Sparmassnahme. Insbesondere konnten viele nicht verstehen, dass man das Sicherheitspersonal ausdünnt, obwohl man sich bei Thurbo klar gegen Gewalt im öV ausgesprochen hat.» Erst im November letzten Jahres hatte Thurbo noch die «Charta gegen Gewalt im öV» mitunterzeichnet. Das wirft Fragen auf. Verständlicherweise fühlen sich viele Thurbo-Mitarbeitende enttäuscht und nicht ernst genommen.

Gewerkschaftssekretärin Alexandra Akeret ging der Sache auf den Grund und kontaktierte Christian Baumgartner, Bereichsleiter Markt bei Thurbo. Das 20-minütige Gespräch brachte etwas Klarheit. Die Geschäftsleitung Thurbo sei ebenso vor vollendete Tatsachen gestellt worden, erklärte Christian Baumgartner. Die GL habe sich deshalb dazu entschieden, das Personal sofort zu informieren. Für Thurbo sei es inakzeptabel, dass die TPO nicht mehr alle Nachtzüge begleite.

Thurbo nimmt TPO in die Pflicht

Das Transportunternehmen hat bereits bei der TPO interveniert und deren Kommando in einem Brief dazu aufgefordert, sofort aufzuzeigen, wie das Problem nun rasch gelöst werden könne. Gerade auf den entlegenen Strecken und in den einsamen Bahnhöfen sei dies für das Personal wie auch für die Kundinnen und Kunden gleichermassen wichtig.

Wie weiter?

«Der SEV begrüsst das Vorgehen von Thurbo und plant weitere Massnahmen gegen diese Sparmassnahmen der TPO», betont Alexandra Akeret. Die Geschäftsleitung Thurbo hat dem SEV zugesichert, sofort zu informieren, sobald sie eine Antwort auf ihre Forderung bekommen würde. Zudem hat die Geschäftsleitung das Thurbo-Personal in einer internen Mitteilung aufgefordert, auf ihre persönliche Sicherheit zu achten und Vorkommnisse sowie Gefahrenlagen zu melden.

Renato Barnetta