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Swiss-GAV 2027

Verhandlungen gestartet

Am 2. Februar sind bei der Fluggesellschaft Swiss die Verhandlungen zur Erneuerung des GAVs des Bodenpersonals gestartet. Wie hat sich SEV-GATA, die Luftverkehrsabteilung des SEV, darauf vorbereitet und was fordert sie?

«Unser Ziel ist, im ersten Halbjahr mit guten Verbesserungen zu einer Einigung zu kommen, denn Mitte Jahr könnte der aktuelle GAV erstmals per Ende Jahr gekündigt werden», sagt SEV-Gewerkschaftssekretär Philipp Hadorn zur Ausgangslage. Er präsidiert SEV-GATA und leitet die Verhandlungsdelegation.

Soundingboard

Die Delegation ist relativ schlank, wird aber durch ein rund 30-köpfiges Soundingboard breit abgestützt. Diesem gehören Mitglieder an, die von Kolleg:innen ihrer Abteilungen vorgeschlagen wurden oder ihr Interesse bei der Umfrage angemeldet haben, welche SEV-GATA von Mitte November bis Anfang Dezember bei ihren Swiss-Mitgliedern durchgeführt hat. Aufgrund der Ergebnisse (siehe unten) hat die Verhandlungsdelegation einen Forderungskatalog ausgearbeitet, diesen am 30. Januar mit dem Soundingboard besprochen und am 2. Februar der Swiss vorgestellt.

«Zwischen allen Verhandlungsschritten werden wir das Soundingboard über die Zwischenergebnisse informieren und mit ihm prüfen, welche Ziele wir gemeinsam wie erreichen können und wollen», erklärt Philipp Hadorn. «Im Soundingboard können wir auch herausfinden, wie weit die Mitglieder bereit sind, sich für ihre Forderungen persönlich zu engagieren, falls Eskalationsschritte nötig werden.»

Umfrageergebnisse

In der Umfrage wurden die Mitglieder gefragt, wie weit sie grundsätzlich bereit und fähig sind, bei einer Mobilisierung persönlich mitzumachen und konkrete Aufgaben zu übernehmen. 78 % sicherten zu, bei Bedarf an Protestversammlungen teilzunehmen, 71,5 % an Warnstreiks und 28 % sind bereit, in ihrer Abteilung Versammlungen zu organisieren.

Weiter haben die Mitglieder in der Umfrage Forderungen priorisiert: «Erste Priorität hat eine gute Entlöhnung, gefolgt von angemessenen Zulagen», bilanziert Philipp Hadorn. Sehr wichtig ist den Mitgliedern auch eine Reduktion der Wochen- und Jahresarbeitszeit, insbesondere der Technik-Mitarbeitenden. Denn sie wollen zusätzlich zum Schichtrhythmus – zum Beispiel 5/5, also fünf Nächte Arbeit gefolgt von fünf freien Tagen – nicht weiterhin noch «Ausgleichstage» leisten müssen.

Daneben gibt es weitere Themen, die für die Mitglieder auch einen hohen Stellenwert haben wie das Freiflugreglement, Spesen, soziale Rahmenbedingungen, die Pensionierungsbedingungen usw. «Da müssen wir schauen, auf welchem Weg wir hier Verbesserungen erreichen können», analysiert Philipp Hadorn. «Mit der Umfrage haben wir gesichert, dass wir jene Forderungen stellen, die unseren Mitgliedern wichtig sind, aber auch, dass wir Mittel haben für die Durchsetzung dieser Forderungen.»

Spezifische Regelungen für die Technik

«An der Umfrage haben erfreulich viele Mitglieder teilgenommen, besonders aus der Technik», ergänzt Hadorn. «So haben wir gemerkt, dass es dort ein überproportionales Bedürfnis nach GAV-Verbesserungen gibt. Dem wollen wir gerecht werden, indem wir für Schichtarbeitende bei Swiss Technik, die bei Wind und Wetter draussen oft auf den Knien harte Arbeit leisten, bereichsspezifische Regelungen aushandeln wie die BAR bei der SBB. Darauf müssen wir einen Schwerpunkt legen. Nur so können wir alle im gleichen GAV behalten, was im Interesse von allen Mitarbeitenden und letztlich auch der Unternehmung liegt.»

Nachholbedarf und Entschlossenheit

«Es ist wichtig, dass die Swiss – gerade auch als Teil des Lufthansa-Konzerns – daran denkt, dass Arbeitsbedingungen einem internationalen Vergleich standhalten müssen», betont Hadorn. «Voraussetzung für die Weiterentwicklung eines Unternehmens ist nicht nur, dass man sich mit Produkten positioniert, wie es die Swiss soeben mit grossem Engagement und enormen Investitionen gemacht hat. Sondern man muss auch in die Attraktivität der Arbeitsbedingungen investieren, damit man dort ebenfalls zeitgemäss unterwegs ist. Hier hat die Swiss eindeutig Nachholbedarf, hier verlangen unsere Mitglieder etwas und das gilt es sicherzustellen.»

Philipp Hadorn ist der Meinung, «dass die Swiss wohlberaten ist, mit einem gesunden Spielraum lösungsorientiert an diese Verhandlungen zu gehen, auch wenn es halt etwas kostet. Innovation kostet immer etwas, zahlt sich aber aus. Denn es gibt beim Personal eine grosse Entschlossenheit, vertretbare Verbesserungen auf eine gute Art zu bekommen oder sonst den nötigen Druck aufzubauen. Wir hoffen, dass es auf eine gütliche, konstruktive, sozialpartnerschaftliche Art möglich ist. Wenn dem nicht so ist, sind unsere Leute bereit.»

Markus Fischer