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GAV-Verhandlungen

TPF: Starke Mobilisierung gegen Abbau beim Personal

"Wir bezahlen die Covid-Rechnung nicht!" Mehr als 140 Personen wollen für die Petition Unterschriften sammeln. Foto: Eric Roset.

Mehr als 140 Mitarbeitende der Freiburgischen Verkehrsbetriebe (TPF) sind dem Ruf der SEV-VPT-Sektion TPF zur Generalversammlung gefolgt und haben am 18. November den Grenelle-Saal in Freiburg gefüllt. Grund für die ausserordentliche Mobilisierung waren die Angriffe der Direktion auf die Anstellungs- und Arbeitsbedingungen bei den GAV-Verhandlungen.

Die Direktion will die Ortszulagen für einen grossen Teil des Personals kürzen, zudem die Gutschrift von 5 % für das Fahren im Stadtverkehr und für Sonderfahrten streichen, wie auch den Arbeitgeberanteil an den Familienzulagen und die Zeit für Arztbesuche für Schwangere. Streichen will sie auch sieben Ferientage und den Ausgleich der Feiertage im Gegenzug zum Wechsel von der 42- zur 41-Stunden-Woche, ein wahrhaft vergiftetes Geschenk …

Obwohl die SEV-Delegation seit Verhandlungsbeginn im März betonte, dass Einsparungen auf dem Rücken des Personals nicht in Frage kommen, hielt die Direktion unbeirrt daran fest. Dies ist der Grund dafür, dass die SEV-Delegation Mitte Oktober die Verhandlungen abbrach und das Personal zur GV rief.

Die Direktion schickte der SEV-Sektion einen Brief zuhanden der GV-Teilnehmenden. Darin bedauert sie den Verhandlungsabbruch zwar, hält aber an ihrem Sparkurs fest mit der Begründung, dass die TPF wegen der Pandemie in einer schwierigen Lage seien und im Wettbewerb bestehen müssten.

«Ich habe noch nie erlebt, dass ein Direktor die SEV-Sektion einen Brief verlesen liess», sagte Gilbert D’Alessandro, TPF-Busfahrer und VPT-Zentralpräsident an der GV. «Unsere Anstellungsbedingungen verschlechtern? So nicht! Der Bund hat rund eine Milliarde Franken für den öffentlichen Verkehr bereitgestellt. Das Geld ist da. Es ist nicht an uns öV-Angestellten, die Rechnung für diese Krise zu bezahlen! In 25 Jahren habe ich noch nie eine so gutbesuchte Versammlung gesehen. Eine solche Mobilisierung hat es noch nie gegeben! Doch unser Weg wird lang sein, und ihr werdet jedes Mal da sein müssen, wenn es euch braucht!», mahnte D’Alessandro die Kolleginnen und Kollegen.

Auch Sektionspräsident Fritz Hänni zeigte sich sehr zufrieden: «Ein vollbesetzter Saal und 114 Entschuldigungen, das ist hervorragend! Die TPF-Mitarbeitenden haben verstanden, dass sie solidarisch sein müssen und sich von der Leitung nicht spalten lassen dürfen.»

Petition gegen den Abbau

Die Versammlung lancierte eine Petition mit dem Titel «Für echte Verhandlungen und einen starken Gesamtarbeitsvertrag! – Gegen den Abbau der Arbeitsbedingungen!». Darin heisst es: «Das Personal erbringt Tag für Tag Höchstleistungen, die nur möglich sind, weil es sich stark engagiert und hochprofessionell arbeitet. Zudem wächst das Netz der TPF jährlich, und im Kanton Freiburg wird viel Geld in den öffentlichen Verkehr investiert. Es ist untragbar, gleichzeitig die Arbeitsbedingungen abbauen zu wollen! (…) Die Unterzeichnenden dieser Petition an die Direktion  TPF fordern Verhandlungen, die den Forderungen des Personals Rechnung tragen und nicht auf dessen Buckel Einsparungen bringen. Falls von der Direktion TPF keine zufriedenstellende Antwort erfolgt, werden die Unterzeichnenden an den Versammlungen des SEV teilnehmen, um weitergehende Massnahmen zu beschliessen, die nötig sind, um sich Gehör zu verschaffen.»

Yves Sancey / Markus Fischer   

Fotogalerie der GV vom 18. November

Kommentare

  • Thomas Müller

    Thomas Müller 27/11/2021 09:18:24

    Super, dass der SEV und das TPF-Personal zu diesem Sparpaket - einmal mehr - zulasten des Personals so geschlossen zusammenstehen und nein sagen! Es sollte jedes Direktionsmitglied des TPF zu jeder Tages- und Nachtzeit und im städtischen Stossverkehr einmal Touren begleiten. Gleiches gilt zur Begleitung des Unterhalts- und Verkaufspersonals im Hintergrund und an der Front.
    Die TPF-Direktion macht mit solchen Sparvisionen mit dem Vorwand "Corona"das Transportunternehmen unattraktiv für seine Kunden und als Arbeitgeber. Zudem bergen solche Sparmassnahmen immer höhere Sicherheitsrisiken zu Unfällen oder krankheitsbedingten Ausfällen, wegen Überlastung und Uebermüdung des Personals. Junges Personal wird wieder abwandern und damit teuer aufgebautes Knowhow. Das wird zum Teufelskreis, der dann nur mit viel kostspieligeren Gegenmassnahmen der Unternehmung durchbrochen werden kann.
    Der Bund hat eine Mia. CHF zusätzlich für die Stützung auch der KTUs gesprochen, wegen den corona-bedingten Ausfällen.
    Die TPF-Direktion - und auch Direktoren anderer Transportunternehmen tun gut daran solche Sparpläne zulasten des Personals, der Kundenzufriedenheit, der Reputation und schlussendlich zulasten des Unternehmens aufgrund der sehr hohen Folgekosten, zu kippen.