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Jahresbilanz BLS 2025

Fahrgastrekord, aber Minus im Güterverkehr

Die BLS verzeichnete im vergangenen Jahr ein deutliches Plus bei den Fahrgastzahlen: Mit 73,4 Millionen Reisenden waren so viele Menschen wie noch nie sicher und pünktlich mit der BLS unterwegs, was die hohe Professionalität und den täglichen Einsatz des BLS-Personals eindrücklich unterstreicht.

Im Vergleich zum Vorjahr haben 2025 2,9 % mehr Reisende BLS-Züge genutzt, und auf den BLS-Schiffen waren es sogar stolze 7,8 %. Leider konnte dieser Aufwärtstrend im Personenverkehr die finanziellen Belastungen durch die anhaltende Baisse bei BLS Cargo nicht auffangen. Die roten Zahlen bei BLS Cargo, beschleunigt durch das vorzeitige Ende der Rollenden Landstrasse, drückten den Konzern in die Verlustzone. Unter dem Strich resultierte im Geschäftsjahr 2025 ein Minus von 10,3 Mio. Franken. Nach zwei Jahren mit Konzerngewinnen von jeweils über 20 Mio. Franken ist dieses Minus zwar unschön, aber für die BLS verkraftbar, zumal das Kerngeschäft weiterhin stabil bleibt. «Aus Sicht des SEV muss sich der Erfolg der BLS für jene auszahlen, die ihn tagtäglich erarbeiten. Das Personal verdient dafür in der kommenden Lohnrunde eine spürbare und faire Wertschätzung», sagt Katrin Leuenberger, SEV-Gewerkschaftssekretärin und Leiterin der Verhandlungsgemeinschaft BLS.

Güter gehören auf die Bahn, aber nicht auf Kosten der Belegschaft

Die anhaltende Krise im Güterverkehr muss dringend gestoppt werden. Werden Transporte zunehmend von der Schiene zurück auf die Strasse verlagert, drohen Überlastungen des Verkehrssystems mit gravierenden Folgen für die Versorgungssicherheit und die Stabilität der Logistikketten. Zugleich geraten die Klimaziele und die Verlagerungsziele der Alpeninitiative immer stärker ausser Reichweite.

Der Schienengüterverkehr steckt nicht nur in der Schweiz, sondern europaweit in der Krise. Umso klarer ist die Politik gefordert, rasch und entschlossen gegenzusteuern. Zentral ist die konsequente Modernisierung der nördlichen Zulaufstrecken, um einen stabilen und verlässlichen Betrieb sicherzustellen. Nur so lassen sich Kostennachteile abbauen und die Rückverlagerung auf die Strasse wirksam stoppen. Für den SEV ist klar: Eine Stärkung des Schienengüterverkehrs wird nur mit dem Personal gelingen. Zentral für einen zuverlässigen Bahnbetrieb sind dabei gute Arbeitsbedingungen, ausreichend qualifiziertes Personal und hohe Sicherheitsstandards.

Versuche, durch Deregulierung zusätzlichen Druck auf das Personal oder über abgesenkte Standards kurzfristige Wettbewerbsvorteile gegenüber der Strasse zu erzielen, führen in die falsche Richtung. Sie verkennen die Ursachen der Krise und verschärfen die strukturellen Probleme des Güterverkehrs langfristig. «Wer die Verlagerung wirklich will, muss konsequent in die Schiene investieren und darf nicht auf dem Rücken des Personals sparen», sagt Barbara Keller, Vizepräsidentin des SEV.

Schiene stärken statt Rückschritte

Der SEV macht sich für Rahmenbedingungen für einen nachhaltigen Schienengüterverkehr stark. Dazu gehören neben dem Personal eine leistungsfähige Infrastruktur und verlässliche Angebote. Nur wenn diese Grundlagen stimmen, kann verloren gegangenes Vertrauen zurückgewonnen und die Verlagerung des Güterverkehrs dauerhaft wieder auf Kurs gebracht werden.

Gemeinsam mit der Europäischen Transportarbeiter-Föderation (ETF) kämpft der SEV für einen starken Schienengüterverkehr. Mit der Kampagne #SaveRailFreight bündelt die ETF die Forderungen der europäischen Eisenbahngewerkschaften nach mehr öffentlichen Investitionen und dem Erhalt eines leistungsfähigen Güterverkehrs auf der Schiene. Ziel ist es, den Schienengüterverkehr als öffentliche Dienstleistung von allgemeinem Interesse zu sichern und eine weitere Verlagerung der Transporte auf die Strasse zu verhindern.

Sarah Thomas

Betriebssprache Englisch?

Der SEV lehnt Englisch als einheitliche Betriebssprache im internationalen Bahnverkehr ab. Der Vorschlag von BLS Cargo zielt darauf ab, Personal ohne Landessprachenkenntnisse einzusetzen, und erhöht den Druck auf die Löhne und Arbeitsbedingungen. Aus Sicht des SEV verkennt das die betrieblichen Realitäten: Im Bahnbetrieb ist präzise, sichere und jederzeit verständliche Kommunikation zentral – besonders bei Störungen, Rangierarbeiten oder Notlagen, wo externe Kräfte beteiligt sind. Fremdsprachliche Kommunikation auf allgemeinem Niveau erhöht Missverständnisrisiken erheblich. Bewährt hat sich die Landessprache, in der Vorschriften, Kommunikation und Notfallprozesse verankert sind. Eine Senkung der Sprachanforderungen zugunsten von Englisch würde die Sicherheit und Qualität schwächen, ohne strukturelle Probleme zu lösen.

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