DV SEV
Gesunder Öffentlicher Verkehr erfordert gesundes Personal

Ein Grossteil des Buspersonals leidet an gesundheitlichen Problemen. Das zeigt eine neue Studie der Unisanté Lausanne. Sparmassnahmen, Personalmangel, schlechte Planung und andere Probleme sind wachsende Belastungsfaktoren für das Personal im Bus- und Bahnbereich. Die Delegierten der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV fordern in einer gemeinsamen Mitteilung: Unternehmen und Politik müssen handeln, bevor sich die Lage weiter zuspitzt. Sonst droht der öffentliche Verkehr unsicherer zu werden.
Die aktuellen Ergebnisse der TRAPHEAC-Studie (Transport Personnel Health Cohort Study) der Unisanté (Universitäres Zentrum für Allgemeinmedizin und öffentliche Gesundheit in Lausanne) sind beunruhigend. Die Studie belegt: Es besteht dringender Handlungsbedarf, denn Busfahrer:innen in der Schweiz sind erheblichen gesundheitlichen Belastungen ausgesetzt. Mehr als die Hälfte aller Befragten leidet unter Gelenkschmerzen. Ein Viertel der Befragten leidet unter starkem Stress am Arbeitsplatz, wobei die Hälfte davon ein hohes Burnout-Risiko aufweist. Häufige Nacht- und Frühschichten, überlange Arbeitstage von mehr als zehn Stunden sowie wiederholte Übergriffe einzelner Fahrgäste haben nachweislich negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit.
So zeigen die Daten, dass tägliche Angst vor Unfällen und konfliktreichen Situationen zu den stärksten Auslösern für Erschöpfung gehören. Gleichzeitig belegt die Studie, dass gute Pausenbedingungen – etwa ausreichende Ruhezeiten und geeignete Pausenräume – das Stressniveau messbar senken können. «Es ist unerlässlich, die Arbeitszeitgestaltung deutlich zu verbessern, den Schutz vor Gewalt zu verstärken und eine Infrastruktur zu bieten, die einen reibungslosen Arbeitsablauf ermöglicht, insbesondere was Pausen- und Erholungsräume betrifft. Es geht um die Gesundheit und Sicherheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer», erklärt Pablo Guarino, Vizepräsident des SEV.
«Die Zunahme der gesundheitlichen Probleme führt auch zu einer Zunahme bei den Absenzen. Es ist also auch im Interesse der Unternehmen, dass sie in die Gesundheit des Personals investieren», sagt SEV-Vizepräsidentin Barbara Keller. Nicht nur die Gesundheit des Buspersonals ist gefährdet, sondern auch das Wohlbefinden des Personals der Bahnunternehmen. Personalmangel und Spardruck haben spürbare Auswirkungen auf die Gesundheit. «Der Spardruck, der auf unseren Kolleg:innen lastet, hinterlässt Spuren beim Personal», stellt Patrick Kummer fest, SEV-Vizepräsident und zuständig für die SBB. «In vielen Bereichen kommt das Personal an seine Grenzen. Es braucht Investitionen in genügend Personal, in gute Löhne und bessere Zulagen.»
«Gesundheit gibt es nicht zum Nulltarif», sagt SEV-Präsident Matthias Hartwich. «Wenn aber die Politik die Mittel für den öV und damit für das Personal kürzt, müssen am Ende die Menschen dafür bezahlen, die unser Land in Bewegung halten. Nicht nur die Unternehmen müssen handeln, auch die Politik muss sich bewusst werden, dass jede Sparmassnahme Zusatzbelastungen für das Personal bedeutet.» Das wiederum gefährdet die Sicherheit des öffentlichen Verkehrs – auch für die Kund:innen.
Die Delegierten des SEV haben an ihrer Versammlung vom 11. Juni 2026 in Lausanne beschlossen, die Gesundheit des Verkehrspersonals in den Mittelpunkt der gewerkschaftlichen Arbeit zu stellen. Angesichts der zunehmenden Belastungen für die Arbeitnehmer:innen sind konkrete Verbesserungen der Arbeitsbedingungen unerlässlich. Die TRAPHEAC-Studie legt den Grundstein für diesen Ansatz und soll den Übergang von der Bestandsaufnahme zum Handeln ermöglichen. Auf dieser Grundlage wird der SEV eine Gewerkschaftskampagne starten, um diesen Forderungen Gehör zu verschaffen.
Die detaillierten Resultate der TRAPHEAC-Studie sind noch nicht publiziert worden und werden in den nächsten Monaten veröffentlicht. Erste Studienergebnisse wurden in diesem Bericht in der SEV-Zeitung bereits publiziert und dürfen für die Berichterstattung in den Medien benutzt werden:
TRAPHEAC: Die Erkenntnisse sind besorgniserregend
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