SBB Cargo zurück unter SBB-Dach
Der SEV begrüsst den Entscheid, SBB Cargo nach mehr als 25 Jahren rechtlicher Verselbständigung wieder stärker in die SBB zu integrieren. Doch eine neue Organisationsstruktur allein reicht nicht. Entscheidend ist, dass die Wiedereingliederung den Mitarbeitenden Sicherheit, Perspektiven und bessere Entwicklungsmöglichkeiten bringt, und dass sie den Schienengüterverkehr in der Schweiz stärkt. Als grösste Gewerkschaft des Verkehrspersonals erwartet der SEV, dass die Sozialpartner und die betroffenen Mitarbeitenden von Beginn an verbindlich in diesen Prozess einbezogen werden.

Der Güterverkehr der SBB wurde per 1. Januar 2001 in eine privatrechtliche Tochtergesellschaft überführt, um im liberalisierten europäischen Güterverkehr flexibler agieren und Kooperationen eingehen zu können.
«Der SEV hat die Auslagerung und Verselbstständigung der Gütersparte der SBB über Jahre sehr kritisch beurteilt – und der Reintegrationsbeschluss zeigt, dass auch die Verantwortlichen inzwischen zur Einsicht gelangt sind, dass das Experiment gescheitert ist», sagt SEV-Vizepräsident Patrick Kummer, der für das Dossier SBB zuständig ist. «Die Verselbständigung hat die strukturellen Probleme des Schienengüterverkehrs nicht gelöst. Wiederkehrende Reorganisationen, Kostendruck, Stellenabbau, immer neue strategische Ausrichtungen und eine langfristig rückläufige Verkehrsleistung haben SBB Cargo über Jahre geprägt.»
Der SEV hat Auslagerungen im Grundsatz nie als erstrebenswert für einen Staatsbetrieb betrachtet und stets an ihren Auswirkungen auf die Mitarbeitenden gemessen. Die Mitarbeitenden mussten sich bei SBB Cargo immer wieder an neue Strukturen, Prozesse und Anforderungen anpassen und gleichzeitig einen zuverlässigen Schienengüterverkehr sicherstellen. Ihr Fachwissen und ihr täglicher Einsatz sind eine zentrale Grundlage dafür, dass SBB Cargo heute eine Zukunftsperspektive hat. «Die Reintegration von SBB Cargo trägt zur Gleichbehandlung aller Mitarbeitenden des Konzerns SBB bei, die sehr wichtig und auch für die anderen SBB-Töchter anzustreben ist», betont Patrick Kummer.
Auch bei der Gründung von SBB Cargo International im Jahr 2010 war die Haltung des SEV klar: Neue Gesellschaftsstrukturen dürfen nicht dazu dienen, Arbeitsbedingungen zu verschlechtern oder sozialpartnerschaftliche Standards zu umgehen. Gleichzeitig forderte der SEV immer wieder eine engere und verbindlichere Zusammenarbeit zwischen den Cargo-Töchtern der SBB. Auch wenn nun SBB Cargo wieder als Division der SBB geführt werden soll, muss diese Zusammenarbeit mit SBB Cargo International spürbar verbessert werden.
Wiedereingliederung als Chance
Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen für den SEV deutlich: Nicht die Rechtsform entscheidet über den Erfolg des Schienengüterverkehrs der SBB. Entscheidend sind eine langfristige Strategie, verlässliche politische und unternehmerische Rahmenbedingungen sowie gute Arbeitsbedingungen für qualifizierte Mitarbeitende.
Der SEV sieht in der Wiedereingliederung eine echte Chance. Sie kann unnötige Schnittstellen und Doppelspurigkeiten abbauen und echte Synergien schaffen, nicht zuletzt bei der Ausbildung, der beruflichen Entwicklung und dem Erhalt von Fachwissen.
Und sie bietet nach vielen Jahren der Unruhe die Chance, den Schienengüterverkehr der SBB langfristig zu stabilisieren und den Beschäftigten wieder mehr Sicherheit und Perspektive zu geben. Wer einen starken Schienengüterverkehr will, braucht auch starke Arbeitsbedingungen und Mitarbeitende, die auf eine verlässliche Zukunft zählen können.
«Und es gilt darauf zu achten, dass SBB Cargo bei der konzern-internen Interessenkonkurrenz nicht erneut den Kürzeren zieht, sondern sich innerhalb des Konzerns so entwickeln kann, dass Know-how und Arbeitsplätze gesichert sind und dass SBB Cargo endlich Marktanteile am langfristig wachsenden Gütermarkt gewinnt», sagt der für das Dossier Cargo zuständige SEV-Gewerkschaftssekretär Philipp Hadorn. «Damit die Verlagerung der Güter von der Strasse auf die Schiene endlich neuen Schub erhält, gilt es die Reorganisation G-enesis mit ihrer Vereinfachung und Reduktion der Angebotspalette zu stoppen.»
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