Auf den Spuren von …
Rolf von Däniken, Rangierlokführer Kat. A 40, Infrastruktur SBB
Rolf von Däniken hat seinen Kindheitstraum, «Eisenbahner» zu werden, wahr gemacht und ist heute Rangierlokführer im Rangierbahnhof Muttenz. Seit seiner Berufslehre arbeitet er bei der SBB. Damit sein Beruf weiterhin ein Traumberuf bleiben kann, engagiert er sich für die Gewerkschaft. Im SEV-Unterverband RPV ist er Zentralsekretär.

Der Rangierbahnhof Muttenz bei Basel ist einer der grössten Rangierbahnhöfe der Schweiz. Hier werden täglich Tausende Tonnen Material und Güter verschoben. Züge aus der Schweiz fahren nach Deutschland, Frankreich und den beiden Rheinhäfen oder umgekehrt. Güterzugkombinationen werden auseinandergenommen und neu zusammengefügt. Von oben betrachtet sieht es aus wie eine Tanzchoreografie. Mittendrin sitzt der Choreograf in einer Rangierlok des Typs Am 843: Rolf von Däniken.
«Das Schönste an meinem Beruf ist: die Abwechslung. Keine Minute ist gleich wie die andere. Ich weiss noch nicht, was uns heute genau erwartet», erzählt der langjährige Rangierlokführer. Vor Arbeitsbeginn kontrolliert er die Lok. Dann begibt er sich auf den Führerstand und stellt den Funk an. Sogleich erhält er den ersten Auftrag: Er muss eine Reihe von abgestellten Güterwagen holen und mit einer anderen Güterwagenkombination verbinden.
Rolf von Däniken ist seit 1989 bei der Bahn. Ursprünglich machte er eine Betriebslehre, «aber mein Ziel war immer die Lok». Der direkte Weg dorthin war ihm damals verwehrt. Also nahm er Umwege in Kauf: Er ging zum Baudienst, wo er als Transport- und Bauzugführer arbeitete. «Ich habe dann eine Möglichkeit gefunden, mich als Rangierlokführer zu bewerben.» Mit der fortschreitenden Digitalisierung entschied er sich bewusst für die Infrastruktur. «Die Arbeitszeiten sind ein bisschen angenehmer, und ich kannte bereits die Abläufe und die Leute hier im Rangierbahnhof.» Am Anfang durfte er auch noch Strecke fahren. «Leider geht das heute nicht mehr und man bleibt auf dem Rangierbahnhof. Das Streckenfahren vermisse ich manchmal schon ein wenig.»
Spannender Job dank viel Abwechslung
Langweilig wird es ihm aber nicht. Jeder Kupplungsvorgang, jede Bremsung verlangt Aufmerksamkeit. Manchmal spielt auch die Witterung mit, welche den Zustand der Schiene und somit die jeweiligen Bremswege beeinflusst. «Bei Güterzügen ist das vorausschauende Bremsen die grösste Herausforderung, gerade wenn es sich um flüssige Güter handelt, welche nicht ruhig auf dem Wagen ruhen.» Dazu kommt die Verantwortung: «Oft wird Gefahrgut mit der Bahn befördert, das duldet keine Unachtsamkeiten beim Rangieren und es ist mir persönlich wichtig, dass wir alle auch wieder gesund und munter nach Hause gehen können.» Übung macht den Meister. Rolf von Däniken bremst die Rangierlok millimetergenau. Die Berührung mit den Puffern des Wagens, der angekuppelt werden muss, ist kaum spürbar.
Zwar sitzt er oft allein in der Lok, doch Rangierarbeit ist immer auch Teamarbeit. Neben dem Lokführer sind im Rangierfeld auch andere Kollegen unterwegs, die Wagenkupplungen lösen und verbinden oder die Wagen und deren Bremsen kontrollieren. Ab und zu springt ein Kollege auf die Lok auf und lässt sich zur nächsten Zugkombination chauffieren. «Die Kollegen sind sehr wichtig. Man hilft sich gegenseitig und versucht, jeden gleich zu behandeln.»
Mit der Gewerkschaft etwas bewegen
Dass es nicht immer rund läuft, weiss Rolf von Däniken nur zu gut. Vielleicht ist das ein Grund, warum er sich schon früh gewerkschaftlich engagiert hat. «Hier geht es um Lohn, um Freizeit – um Dinge, die nicht unwichtig sind.» Ihm habe das blosse Reklamieren nie gereicht. «Ich wollte selber etwas bewegen.» Die Gewerkschaft habe seinen Blick erweitert: «Man lernt andere Perspektiven kennen und schaut auch mal über den eigenen Gartenzaun hinaus.»
Heute ist er Zentralsekretär des Unterverbands des Rangierpersonals und Vorstandsmitglied des RPV Basel. Er schreibt Protokolle, nimmt Anliegen von Kollegen auf und vermittelt wo nötig: «Oft bin ich die Ansprechperson, wenn es irgendwo nicht eskalieren soll.» Er versucht zu helfen, «sei es gewerkschaftlich oder zwischenmenschlich. Ich habe ein offenes Ohr für alle.»
Dass im Rangierbahnhof Muttenz der gewerkschaftliche Organisationsgrad besonders hoch ist, erstaunt Rolf von Däniken kaum. «Ich muss die Leute gar nicht überzeugen. Viele kommen von selbst.» Die Erfahrung älterer Kolleginnen und Kollegen, aber auch der direkte Austausch im Team, machen den Unterschied. «Da muss ich nicht viel Überzeugungsarbeit leisten.»
Der Schienengüterverkehr in der Krise
Wichtig ist der Rückhalt der Gewerkschaft besonders auch in schwierigen Zeiten. «Man spürt die Krise im Güterverkehr auch in Muttenz. Es stehen weniger Wagen da als früher. Ich würde mir wünschen, dass sich dies bald wieder ändert. Der Einzelwagenladungsverkehr muss zunehmen. Der Schienengüterverkehr in Muttenz sollte wieder wachsen.» Bessere Perspektiven für Junge seien wichtig, sagt Rolf von Däniken: «Vielleicht sollten wir wieder längere Strecken fahren können – oder zusätzliche Orte bedienen, wie zum Beispiel die direkt an den Rangierbahnhof angebunden Bedienpunkte, die als Rangierfahrt angefahren werden könnten.» Wichtig ist der Kampf für einen guten GAV. «Als Gewerkschaft werden wir dafür kämpfen, dass es Verbesserungen gibt, keine Verschlechterungen.»
In der Freizeit verbringt er gerne Zeit mit seiner Familie und geht wandern. Sein wichtigstes Hobby ist die Fasnacht. «Ich wurde als Fasnächtler geboren», sagt der Basler. Dort «rangiert» er zusammen mit einer kleinen Cliqué ein «Fasnachtswäägeli» durch die «drey scheenschte Dääg». «Auch hier bin ich der Schreiber und verfasse zum Beispiel Schnitzelbänke und Sprüche. Dabei habe ich grosses Glück, denn meine Kollegen hier auf dem Rangierbahnhof respektieren mein Hobby. Das heisst, sie nahmen bislang stets Rücksicht, sodass ich immer Ferien nehmen konnte, wenn in Basel Fasnacht war.»
Michael Spahr
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