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Delegiertenversammlung SEV

DV SEV: Gesund bei der Arbeit – sicher unterwegs!

Einstimmig sagen die Delegierten Ja zu einer Kampagne für einen besseren Gesundheitsschutz.

Rund 120 Delegierte kommen am 11. Juni 2026 im Olympischen Museum Lausanne zum ersten Mal zu einer Delegiertenversammlung des SEV zusammen. Die Delegierten beschliessen eine Kampagne für einen besseren Gesundheitsschutz.

SEV-Vorstandspräsident René Schnegg begrüsst zur ersten SEV-DV, die nun jährlich in den kongressfreien Jahren stattfindet: «Es bedeutet mir viel, euch alle zu sehen.» Gemeinsam Stärke zu demonstrieren ist aktuell bitter nötig. Es gibt viele Angriffe auf die Rechte der Arbeitnehmer:innen. Auf die Chaos-Initiative der SVP folgt die Aushebelung der Mindestlöhne, die das Parlament gerade beschliessen will.

«Früher war sogar die Zukunft besser, hat der deutsche Komiker Karl Valentin einst gesagt», sagt SEV-Präsident Matthias Hartwich. «Die Verteilung des Reichtums ist heute ungleicher als noch vor hundert Jahren.» Es drohen neue Arbeitskämpfe, für die der SEV gewappnet sein muss. In Anlehnung an das Valentin-Zitat ruft er auf: «Lasst uns gemeinsam dafür Sorge tragen, dass die Zukunft bald wieder besser werde.»

SEV-Finanzverwalter Aroldo Cambi spricht über die Krise in der zweiten Säule der beruflichen Vorsorge: «Es findet eine schleichende Erosion der Leistungen der Pensionskassen statt. Umwandlungssätze werden gekürzt, Risiken auf die Versicherten abgewälzt.» Auch hier kämpft der SEV an vorderster Front für bessere Leistungen. Jüngst hat sich der SEV im Tessin bei der Schifffahrtsgesellschaft des Luganersees SNL gegen missbräuchliche Praktiken in der Pensionskasse gewehrt.

Busfahrer:innen tragen grosse Risiken

Hanny Weissmüller tritt zum letzten Mal öffentlich als Vizepräsidentin des SEV-Vorstands auf. Sie gibt ihr Amt ab. Sie begrüsst drei Gäste, die Referate zum Thema Gesundheitsschutz halten: «Gesundheit ist nicht ‹nice-to-have›.»

Irina Guseva Canu, Professorin an der Unisanté in Lausanne und verantwortlich für die Trapheac-Studie zur Gesundheit der Busfahrer:innen, gibt einen Einblick in die neueste Studie, die zeigt, dass mehr als die Hälfte der 748 befragten Busfahrer:innen unter Gelenkschmerzen leidet. Ein Viertel der Befragten leidet unter starkem Stress am Arbeitsplatz, wobei die Hälfte davon ein hohes Burnout-Risiko aufweist. Die Resultate der Studie werden in den nächsten Monaten im Detail veröffentlicht. Im September 2026 können sich Busfahrer:innen für die Teilnahme an der Fortsetzung der Studie anmelden. «Es freut mich, euch mit unserer wissenschaftlichen Arbeit bei der gewerkschaftlichen Arbeit zu unterstützen», sagt Irina Guseva Canu.

Auch Christa Hostettler, Direktorin des Bundesamts für Verkehr, liegt die Gesundheit des Verkehrspersonals am Herzen. Sie erzählt, dass im Sommer der schon lange vom SEV geforderte Runde Tisch gegen Gewalt im öV stattfinden wird. Daran teilnehmen werden neben dem SEV und dem BAV auch Vertreter:innen anderer Behörden, der Transportunternehmungen und diverser Organisationen. Sie spricht auch über das Thema längerer Dienstschichten. Diese sollen möglich sein, aber nur wenn das Personal einbezogen wird. «Wichtig ist die Balance zwischen Gesundheitsschutz und betrieblicher Machbarkeit. Wir wollen nicht, dass Ausnahmefälle zu Normalfällen werden», sagt sie.

Gesundheitsschutz ist ein Grundrecht

Ursula Kulke von der Internationalen Arbeitsorganisation der UNO (IAO, engl. ILO) sagt: «Der Schutz des Personals auf der Arbeit ist kein Privileg, sondern ein Grundrecht.» Sie spricht über zwei ILO-Übereinkommen, die Arbeitgeber und Staaten zu konkreten Schutzmassnahmen sowie zur Unfallverhütung direkt am Arbeitsplatz verpflichten. Die Schweiz habe zwar einen relativ guten Gesundheitsschutz, aber sie habe die beiden Übereinkommen nicht ratifiziert: «Es gibt neue Herausforderungen wie den Klimawandel oder künstliche Intelligenz. Dank den Übereinkommen kann schneller darauf reagiert werden als bloss mit nationalen Gesetzen.»

Schliesslich hält SEV-Vizepräsident Pablo Guarino das Schlusswort zum Thema Gesundheit: «Wie angespannt die Situation für das Personal ist, ist nun dank der Trapheac-Studie wissenschaftlich bewiesen. Man kann nicht mehr sagen, man habe es nicht gewusst.» Die Verantwortlichen in den Betrieben, aber auch bei den Behörden müssen Massnahmen ergreifen, um den Schutz der Gesundheit des Personals zu verbessern. «Gesundheitsprobleme sind nicht individuelle Probleme, sondern eine Frage einer guten Arbeitsorganisation.» Einstimmig beschliessen die Delegierten, dass der SEV eine Kampagne für einen besseren Gesundheitsschutz führen muss.

Die Delegierten befinden schliesslich über verschiedene Anträge. Sie sprechen sich ausnahmslos für die Empfehlungen des SEV-Vorstands aus. Zu den Beschlüssen gehören unter anderem, dass SEV-Mitglieder bis 35 Jahre (statt 30) bei der Jugendkommission mitmachen dürfen und dass KI weiterhin in der Kommunikation benutzt werden darf. Sie sprechen sich auch dafür aus, dass der SEV eine «schärfere Gangart» bei Verhandlungen mit Arbeitgebern anwenden soll. Ausserdem unterstützen sie den grossen nationalen feministischen Streik.

Als Ersatzmitglied der Geschäftsprüfungskommission wird Michel Roth vom LPV gewählt. Er ersetzt Philippe Schibli, der neu beim SEV als Gewerkschaftssekretär angestellt ist.

Michael Spahr

Delegierte geben klaren Kurs vor

Editorial von Matthias Hartwich, Präsident SEV

Am 11. Juni 2026 haben die über 120 Delegierten gesprochen. Sie haben dem SEV einen klaren Kurs vorgegeben: Der SEV wird Kampagnen führen, sein gewerkschaftliches Profil schärfen und für die Gesundheit der Beschäftigten im öV kämpfen. Die Delegiertenversammlung in Lausanne ist die erste dieser Art: Sie ist der Ort, an dem die Delegierten zwischen den Kongressen Bilanz ziehen, den Kurs schärfen, aktuelle Entwicklungen diskutieren und Kampagnen auf den Weg bringen.

Erste Priorität geniesst die Unversehrtheit unserer Kolleg:innen, die jeden Tag die Schweiz in Bewegung halten. Das beinhaltet neben dem Schutz vor Übergriffen vor allem den Gesundheitsschutz für alle Beschäftigten auf den Seen, den Strassen und auf der Schiene. Zu diesem Thema hatten die Gäste Irina Guseva Canu von der Unisanté Lausanne, die BAV-Direktorin Christa Hostettler und Ursula Kulke vom Büro für Arbeitnehmer:innenfragen (ACTRAV) bei der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) das Wort und hielten engagierte Inputs. Um die Unversehrtheit an Leib und Psyche unserer Kolleg:innen zu schützen, werden wir auf Beschluss der Delegierten mit der Kampagne gegen Gewalt und für Respekt gegenüber dem Personal fortfahren, am Runden Tisch beim BAV aber auch am schweizweiten Aktionstag am 3. September.

Neu wird – unter der Leitung unseres Vizepräsidenten Pablo Guarino – das ganze Jahr 2027 einer Kampagne zum Gesundheitsschutz aller Kolleg:innen in allen unseren Branchen gewidmet sein. Wir müssen den Finger in die Wunde legen, dass immer mehr Beschäftigte mit gesundheitlichen Risiken und Problemen kämpfen. Arbeit darf nicht krank machen.

Ein weiteres wichtiges Thema für uns ist der Auftrag an den Vorstand, dass wir «offensiver» werden und insgesamt als SEV kämpferischer auftreten sollen, um die Interessen aller Gewerkschaftsmitglieder in Lohn- und GAV-Verhandlungen, aber auch gegenüber der Politik noch effektiver zu vertreten. Vorstand und Geschäftsleitung werden daran arbeiten.

Mit dem Nein zur Chaos-Initiative an der Urne, die alle Gewerkschaften gemeinsam bekämpft haben, werden jetzt neue Herausforderungen in den Vordergrund treten: Der Kampf für den Erhalt der kantonalen und kommunalen Mindestlöhne, aber auch die Erhaltung und der Ausbau der Rechte der Arbeitnehmer:innen – auch bei allfälligen «Bilateralen III» – geht unvermindert weiter.

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