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Anerkennung Triebfahrzeugführende b100 bei I-VU

Hartnäckigkeit zahlt sich aus

Was lange währt, wird endlich gut – oder vielmehr: Was der SEV über ein Jahrzehnt lang zusammen mit seinen Mitgliedern hartnäckig verfolgt hat, führt nun endlich zum Erfolg. Für die knapp 300 betroffenen TFF B100 bei SBB Infrastruktur Verfügbarkeit und Unterhalt (I-VU) gibt es endlich eine nachhaltige Lösung innerhalb des Lohnsystems. Der bisherige sogenannte «Marktausgleich» wird abgelöst durch eine Überführung in das Lohnsystem der SBB.

Mit der Einführung des neuen Lohnsystems im GAV 2011 begann der lange Weg zur monetären Besserstellung von B100-Lokführenden. Damals entbrannte ein Streit über die Auslegung des sogenannten «Beschluss 25». Die zentrale Frage war so simpel wie brisant: Welche Lokführenden gehören in die separate «Lohnkurve» (separate Lohnbänder für Lokführende) und welche nicht? Während die SBB jahrelang mauerte, blieb der SEV am Ball.

Wie in solchen Fällen üblich wurde aufgrund dieser Uneinigkeit ein Schiedsgericht angerufen. Doch auch dieses brachte keine Einigung, im Gegenteil: Da bis 2019 noch immer kein Entscheid gefällt worden war, musste ein Kompromiss her. Dieser erste Etappenerfolg ermöglichte die Einführung des Marktausgleichs. Fortan erhielten klar definierte Personengruppen bei SBB I-VU jährlich 3000 Franken zusätzlich. «Damit war aber die Frage nach der Lohn- bzw. Funktionsskala nach wie vor nicht geklärt. Zudem wurde die Funktion der TFF B100 über verschiedene Divisionen hinweg unterschiedlich vergütet. Während die Lokführenden bei I-VU den Marktausgleich zugesprochen bekamen, war dies beispielsweise den Lokführenden bei der Intervention nicht vergönnt», sagt Michael Buletti, zuständiger Gewerkschaftssekretär beim SEV.

Der SEV hielt den Druck mit den seit 2022 jährlich durchgeführten B100-Tagungen und Petitionen stets aufrecht. Besonders in Erinnerung bleibt der emotionale Appell aus dem Jahr 2022: «Wir sind Lokführende und möchten als solche anerkannt werden!» Die Botschaft war klar: Es geht nicht nur um Geld, sondern um die Wertschätzung einer verantwortungsvollen Arbeit. Die TFF B100 leisten tagtäglich Unverzichtbares für die Sicherheit und Funktionsfähigkeit des Schienennetzes. Diese Identität musste sich endlich auch im Lohn widerspiegeln.

«Steter Tropfen höhlt den Stein»

Dass es nun zu einer systemischen Lösung kommt, ist massgeblich dem Einsatz der SEV-Mitglieder zu verdanken. Noch im vergangenen Oktober machten über 40 Teilnehmende der B100-Tagung des SEV erneut mit einer scharfen Resolution an die Leitung Infrastruktur Druck. Sie forderten eine deutliche monetäre Verbesserung für alle B100-Funktionen bei Infrastruktur. Michael Buletti spricht Klartext: «Wir haben der SBB unmissverständlich klargemacht, dass wir uns nicht mehr mit Übergangslösungen abspeisen lassen. Das nun vorliegende Resultat ist der Beweis, dass sich gewerkschaftliches Engagement direkt im Portemonnaie auszahlt, auch wenn dies manchmal jahrelangen Einsatz erfordert.»

Mit der nun getroffenen Lösung steigt die Mehrheit der betroffenen TFF B100 bei I-VU bei Erfüllung der neuen Kriterien – u.a. müssen dafür drei verschiedene Fahrzeugtypen gefahren werden können – in das Anforderungsniveau G auf. Dies eröffnet den Mitarbeitenden ein deutlich höheres Lohnanstiegspotenzial als bisher. Zwar werden aufgrund der neuen Kriterien nicht ausnahmslos alle TFF B100 den Sprung in ein höheres Anforderungsniveau schaffen, doch niemand wird im Regen stehen gelassen. Durch parallele Funktionsumschreibungen in den Niveaus F und G ist die finanzielle Absicherung für alle garantiert. Ein zentraler Punkt dabei: Der bisherige Marktausgleich wird fest in den Lohn integriert und damit dauerhaft gesichert und zudem zukünftig vollumfänglich in der Pensionskasse versichert. Für die Betroffenen bedeutet das nicht nur mehr Sicherheit im Hier und Jetzt, sondern ein spürbar höheres Altersguthaben in der Pensionskasse für die Zukunft. Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Punkt und besonders wichtig für die Lebensplanung: Alle betroffenen Mitarbeitenden profitieren weiterhin uneingeschränkt vom Vorruhestandsmodell Valida.

Der SEV bleibt wachsam

Trotz des Erfolgs bleibt ein Wermutstropfen: Die SBB hat dem SEV die detaillierten Funktionsumschreibungen trotz mehrfacher Aufforderung nicht vollständig offengelegt. Eine gewisse Restunsicherheit bei der Umsetzung bleibt daher bestehen. Die Teamleitenden wurden bereits geschult, um die Mitarbeitenden ihren Kompetenzen entsprechend zuzuordnen. Danach folgt die Überprüfung durch das HR. Der SEV wird diesen Prozess nicht dem Selbstlauf überlassen. «Wir schauen der SBB ganz genau auf die Finger», sagt Michael Buletti. «Die überwiegende Mehrheit muss von diesem Aufstieg in das Niveau G profitieren. Wir werden jeden einzelnen Schritt begleiten, um sicherzustellen, dass die Zuteilung fair und gemäss den Kompetenzen der betroffenen Mitarbeitenden erfolgt.»

Dieser Erfolg ist ein Sieg der Gemeinschaft. Ohne den steten Druck der Basis und die Beharrlichkeit am Verhandlungstisch wäre der Marktausgleich wohl auf ewig ein Provisorium geblieben, wenn überhaupt. Jetzt ist klar: Der lange Weg zur monetären Besserstellung der TFF B100 bei I-VU ist zu Ende.

Sarah Thomas

B100-Tagung 2026

Am Mittwoch, 9. Dezember 2026 findet die nächste B100-Tagung im Hotel Bern in Bern statt. Die Tagung richtet sich an alle TFF B100 bei SBB und SBB Cargo. Die entsprechende Ausschreibung folgt zu gegebener Zeit. Nebst der Thematik der Ablösung des Marktausgleichs wird u. a. auch die Situation der TFF B100 bei der Intervention, die in der Funktion Soldat nach wie vor im Anforderungsniveau F eingereiht sind, ein Thema sein.

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